HEIMSPIEL

Wohnortnahe Unterbringung von jungen Strafgefangenen

Die Idee sowie konzeptionelle Gestaltung zum Projekt HEIMSPIEL wurde in Kooperation mit dem Sächsischen Staatsministerium der Justiz und für Europa (SMJus), der Jugendstrafvollzugsanstalt (JSA) Regis-Breitingen und dem Verein für soziale Rechtspflege Dresden e. V. entwickelt. Die Aufnahme der praktischen Arbeit konnte dann am 01. Oktober 2011 beginnen.

Durch die wohnortnahe Unterbringung in Dresden wird die Entlassungsvorbereitung und die gezielte Wiedereingliederung nahtlos organisiert. Die Teilnehmenden erhalten dabei die Chance, die letzten Monate ihrer Haftstrafe unter bestimmten Voraussetzungen außerhalb der JSA / JVA  in einem sozialpädagogisch betreuten Wohnprojekt zu verbringen.

Das Projekt HEIMSPIEL wendet sich vorrangig an Jugendliche, Heranwachsende und junge Erwachsene, die nach dem Jugendstrafrecht zu einer Haftstrafe verurteilt wurden und diese in der JSA Regis-Breitingen (gegebenenfalls auch in einer anderen Justizvollzugsanstalt (JVA) in Sachsen) verbüßen. Unter Einbezug des Nachrangigkeitsprinzips ist in besonderen Fällen eine Aufnahme Erwachsener bis 27 Jahre realisierbar.

Jeder Interessierte hat die Möglichkeit, seinen Teilnahmewunsch an dem Projekt dem für ihn zuständigen Sozialdienst anzuzeigen und sich postalisch an die Mitarbeiter_innen des Projektes zu wenden.

Durch die Einbindung in das Projekt HEIMSPIEL (sowie eine sich im Bedarfsfall anschließende Nachbetreuung) können die Projektteilnehmer ihre Entlassung intensiv vorbereiten und sich eine sichere und stabile Entlassungssituation erarbeiten. Hierfür ist es notwendig, die Autonomie des Einzelnen im Umgang mit relevanten Institutionen (Behörden, freie Träger, Wohnungsgesellschaften, Ärzten u.v.m.) zu fördern und bedarfsgerecht zu begleiten.

Im Rahmen dieses betreuungsintensiven Projekts kann insbesondere auf eine Wiederherstellung der selbstständigen Lebensführung und Alltagsbewältigung, die Erschließung existentieller Lebensbereiche (Finanzielle Sicherung, Wohnungssuche, Arbeits-/ Ausbildungssuche etc.) und die Auseinandersetzung mit individuellen Lebensthemen und Fragestellungen eingegangen werden, um dem Einzelnen in seinen Vorhaben für die zukünftige Lebensführung positiv zu bestärken. Grundlegend für die Verwirklichung von Zukunftsvorstellungen und -perspektiven erscheinen vor diesem Hintergrund die Förderung und Stärkung der persönlichen Fähigkeiten des jungen Menschen.

Schritt 1

Vermittlung in das Projekt HEIMSPIEL

  • Interessensbekundung durch den jungen Strafgefangenen oder Vorschlag durch die JSA Regis-Breitingen (oder einer anderen JVA in Sachsen) an den VSR Dresden e. V.
  • Einschätzung der Eignung im Rahmen der Vollzugsplankonferenz unter Einbezug der Projektmitarbeitenden sowie Jugendgerichts- und/oder ggf. Bewährungshilfe
  • Prüfung der Aufnahme durch den VSR Dresden e. V. in Form von persönlichen Einzelgesprächen
Schritt 2

Aufnahme in das Projekt HEIMSPIEL

  • Bewilligung des Langzeitausgangs unter Einbezug der relevanten professionellen Fachkräfte
  • Anmeldung des Hauptwohnsitzes auf die Adresse des VSR Dresden e. V.
  • Abschluss einer Nutzungsvereinbarung und eines Betreuungsvertrages
  • Verweildauer bis zu sechs Monaten
Schritt 3

Arbeitsinhalte im Projekt HEIMSPIEL

  • Finanzielle Grundsicherung
  • Erfüllung von Weisungen
  • Integration in Schule, Ausbildung oder eine andere Beschäftigung
  • Hilfe und Beratung bei individuellen Themen und Zielen
  • Verbindliche tagesstrukturierende Maßnahmen zur schrittweisen Verselbstständigung in der Alltagsgestaltung (bspw. Einzelgespräche, Gruppentreffen und Gruppenangeboten, sowie Einbindung in die Hauswirtschaft und Pflege der Wohneinrichtung, gemeinsame Mahlzeiten u.v.m.)
  • Vermittlung in Anschlussbetreuung oder am Bedarf orientierten spezialisierten Unterstützungsformen

§ 15 Abs. 1 Nr. 3 SächsJStVollzG sowie

§ 38 Abs. 1 Nr.3 SächsStVollzG 

Aufenthalte außerhalb der Anstalt ohne Aufsicht sind insbesondere (…) das Verlassen der Anstalt für mehrere Tage (Langzeitausgang)…“

§ 17 SächsJStVollzG sowie 40 SächsStVollzG

Für Lockerungen sind die nach den Umständen des Einzelfalls erforderlichen Weisungen zu erteilen. Bei der Ausgestaltung der Lockerungen ist nach Möglichkeit auch den Belangen des Opfers der Straftaten Rechnung zu tragen.“

§ 19 Abs. 1 SächsJStVollzG

Die Maßnahmen zur sozialen und beruflichen Eingliederung sind auf den Zeitpunkt der voraussichtlichen Entlassung in die Freiheit auszurichten. Die Gefangenen sind bei der Ordnung ihrer persönlichen, wirtschaftlichen und sozialen Angelegenheiten zu unterstützen.“

§ 19 Abs. 3 SächsJStVollzG

Den Gefangenen können Aufenthalte in Einrichtungen außerhalb des Vollzugs (Übergangseinrichtungen) sowie ein zusammenhängender Langzeitausgang bis zu sechs Monaten gewährt werden, wenn dies zur Vorbereitung der Eingliederung erforderlich ist. Der Vollstreckungsleiter ist vorher anzuhören. § 15 Abs. 2 und 3 und § 17 gelten entsprechend.“

§ 19 Abs. 4 SächsJStVollzG

Zur Vorbereitung der Entlassung soll der Vollzug gelockert werden. In einem Zeitraum von sechs Monaten vor der voraussichtlichen Entlassung sind den Gefangenen die zur Vorbereitung der Eingliederung erforderlichen Lockerungen zu gewähren, sofern nicht mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erwarten ist dass die Gefangenen sich dem Vollzug der Jugendstrafe entziehen oder die Lockerungen zu Straftaten missbraucht werden. Außerdem sollen Gefangene, die im offenen Vollzug sind, heimatnah untergebracht werden.“

§ 38 Abs. 2 +3SächsStVollzG

„Die Lockerungen sollen gewährt werden, wenn sie der Erreichung des Vollzugsziels dienen und verantwortet werden kann zu erproben, dass die Gefangenen sich dem Vollzug der Freiheitsstrafe nicht entziehen und die Lockerungen nicht zu Straftaten missbrauchen werden.“

„Ein Langzeitausgang nach Absatz 1 Nr. 3 soll grundsätzlich erst gewährt werden, wenn Gefangene sich mindestens sechs Monate im Strafvollzug befunden haben oder ihre Eignung für den offenen Vollzug festgestellt wurde oder sie sich in Ausgängen nach Absatz 1 Nr. 1 und 2 bewährt haben (…).“

§42 Abs. 3 SächsStVollzG

„Den Gefangenen können Aufenthalte in Einrichtungen außerhalb des Vollzugs (Übergangseinrichtungen) gewährt werden, wenn dies zur Vorbereitung der Eingliederung erforderlich ist. Haben sich die Gefangenen mindestens sechs Monate im Vollzug befunden, kann ihnen auch ein zusammenhängender Langzeitausgang bis zu sechs Monaten gewährt werden, wenn dies zur Vorbereitung der Eingliederung erforderlich ist. § 38 Abs. 2 und 4 und § 40 gelten entsprechend.“

§ 42 Abs. 1+2 SächsStVollzG

„Die Maßnahmen zur sozialen und beruflichen Eingliederung sind auf den Zeitpunkt der voraussichtlichen Entlassung in die Freiheit auszurichten. Die Gefangenen sind bei der Ordnung ihrer persönlichen, wirtschaftlichen und sozialen Angelegenheiten zu unterstützen. Dies umfasst die Vermittlung in nachsorgende Maßnahmen.“

„Durch eine frühzeitige Zusammenarbeit mit Personen und Einrichtungen außerhalb des Vollzugs soll insbesondere erreicht werden, dass die Gefangenen nach ihrer Entlassung über eine geeignete Unterbringung und eine Arbeits- oder Ausbildungsstelle verfügen. Bewährungshilfe und Führungsaufsichtsstelle beteiligen sich frühzeitig an der sozialen und beruflichen Eingliederung der Gefangenen.“

Ihre Ansprechpartner_innen

Sarah Blume
Michael Kittler
Julia Milán

Tel. 0351 | 4020834

Mobil 0152 I 21 30 57 71

Email an: heimspiel@vsr-dresden.de