ZEBRA

Inititative für Kinder mit straffälligen Angehörigen

Kinder und Jugendliche werden durch die Verurteilung eines Elternteils zu einer Gefängnisstrafe unschuldig mitbestraft.

Zu diesem Ergebnis kam im Jahr 2013 die EU-geförderte Studie COPING – Kinder von Strafgefangenen: Maßnahmen zur Stärkung der psychischen Gesundheit und Minderung. Die Zahl der betroffenen Kinder kann aufgrund fehlender Erhebungen nicht genau bestimmt werden, wird jedoch in Deutschland auf jährlich 100 000 geschätzt.

25 % der untersuchten 7 – 17-jährigen wurden als ‚psychisch auffällig belastet‘ erkannt. Besonders die Phasen des Gerichtsverfahrens, der Verhaftung, des Beginns der Inhaftierung und die Zeit nach der Entlassung erleben betroffene Kinder und Jugendliche als zutiefst emotional verstörend. Nicht erhoben wurden mit der Studie die vielen in der Praxis bekannten Fälle, in denen die Verurteilung einer nahen Bezugsperson gegenüber Kindern verheimlicht, tabuisiert oder gar geleugnet wird – aus Angst vor Stigmatisierung.

Dabei könnte die regelmäßige Kontaktmöglichkeit zum inhaftierten Elternteil und ein offener und enttabuisierter Umgang mit der Thematik Entlastung bringen. Die (Verlust-)Angst, Sorge, Enttäuschung und Wut mit einer Vertrauensperson teilen zu können, hat weniger auffälligen Kindern geholfen, einen Umgang mit der Situation zu finden. Auch dies ist ein Ergebnis der Coping-Studie.

Für Deutschland wurde eine deutliche Unterversorgung von Unterstützungsangeboten für betroffene Kinder und Jugendliche festgestellt. Das Ergebnis ist mit den Maßgaben der europäischen Kinderrechtskonventionen nicht vereinbar. Die Forscher_innen erarbeiteten für die teilnehmenden Länder weitreichende Empfehlungen, wie die Versorgungssituation verbessert werden kann und richten sich u. a. an spezialisierte und gemeindebasierte Einrichtungen. Das Anliegen des Vereins für soziale Rechtspflege Dresden e. V., die Situation im Raum Dresden zu prüfen, konnte 2014 mit der finanziellen Unterstützung des Rotary Club Dresden – Goldener Reiter Dresden, umgesetzt werden. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse bilden die Konzeptionsgrundlage für das Projekt ZEBRA.

Das Projekt ZEBRA soll helfen, die Auswirkungen der Straffälligkeit von Bezugspersonen auf Kinder und Jugendliche im Familiensystem zu mindern.

ZEBRA dient als Schnittstelle zwischen dem Bezugssystem der betroffenen Kinder und Jugendlichen sowie den gesellschaftlich involvierten Instanzen – sowohl der strafprozessbegleitenden, wie auch der pädagogischen -, auf die Fürsorge, Erziehung und den Schutz der Kinder und Jugendlichen gerichteten, Institutionen. Mit dieser Verknüpfung wird der Aufbau eines basiswirksamen Systems zur Entlastung der Zielgruppe „Kinder mit straffälligen Angehörigen“ in Dresden aktiviert.

Laden Sie hier eine schematische Darstellung zum Wirkungsziel herunter.

Vernetzung

An den Schnittstellen

  • Polizei
  • Justiz mit der JVA Dresden, den Gerichten und deren sozialen Diensten
  • Schule und Kita
  • öffentlichen und freien Trägern der Jugendhilfe, wie Jugendamt, Beratungsstellen etc.

werden im Austausch der unterschiedlichen Möglichkeiten und Grenzen, u. a. in Form eines Runden Tisches, Lösungen zur Entlastung der betroffenen Kinder entwickelt und die Umsetzung eingeleitet.

Spezialisierte Kontaktstelle
  • Beratung und Begleitung von Angehörigen bzw. Bezugspersonen betroffener Kinder in Bezug auf den Umgang mit der Straffälligkeit eines Angehörigen und

Beratung von Fachkräften an den unterschiedlichen Schnittstellen, die in Einzelfälle betroffener Kinder involviert sind, in Form von telefonischer Beratung und Fallbesprechungen

Art. 3 Abs. 1 UN Kinderrechtskonvention

(1) Bei allen Maßnahmen, die Kinder betreffen, gleichviel ob sie von öffentlichen oder privaten Einrichtungen der sozialen Fürsorge, Gerichten, Verwaltungsbehörden oder Gesetzgebungsorganen

getroffen werden, ist das Wohl des Kindes ein Gesichtspunkt, der vorrangig zu berücksichtigen ist. (…)“

§ 16 SGB VIII Allgemeine Förderung der Erziehung in der Familie

(1) Müttern, Vätern, anderen Erziehungsberechtigten und jungen Menschen sollen Leistungen der allgemeinen Förderung der Erziehung in der Familie angeboten werden. Sie sollen dazu beitragen, dass Mütter, Väter und andere Erziehungsberechtigte ihre Erziehungsverantwortung besser wahrnehmen können. Sie sollen auch Wege aufzeigen, wie Konfliktsituationen in der Familie gewaltfrei gelöst werden können. (…)“